Berlin – Andreas Mühes „Mischepoche“ im Hamburger Bahnhof

Ausstellung Andreas Mühes "Mischepoche" von www.schabel-kultur-blog.de

Die Werkserie „Mischepoche“ wurde eigens für das Museum der Gegenwart, den Hamburger Bahnhof initiiert. Der Ansturm bei der Eröffnung war gigantisch, ist Andreas Mühes fotografischem Können,  aber auch seinen berühmten Eltern geschuldet.

Ulrich Mühe (1953)  und Annegret Hahn (1951) lernten sich während der Studienzeit in Leipzig kennen. Annegret Hahn machte Karriere von der Dramaturgin im Berliner Ensemble, über die Volksbühne bis zur Intendantin im  Deutschen Theater. Vater Ulrich Mühe erarbeitete sich als Schauspieler auf der Bühne und beim Film ein renommiertes Image.

Mit sehr viel Fingerspitzengefühl arrangierte Andreas Mühe diese beiden Familienbilder, die durch die Positionierung, Kleidung, Haltung regelrechte Familienaufstellungen sind. Weihnachten wirkt als steifes, ritualisiertes, fast düster inszeniertes Fest, nicht minder das sommerliche Fest vis-a-vis. Während die Mutter mitten in der Familie die Runde dominiert,  scheint der Vater nicht so recht hineinzupassen. Kinder spielen Klavier mit dem Rücken zum Fotografen,  alle anderen inklusive Hunde sitzen frontal, diagonal oder im Profil aneinander gereiht. Die mitmenschlichen Beziehungen wirken unterkühlt. Man schaut eher weg als sich an.

Schon vor dem Raum mit diesen Familienepen verweisen Porträts, Etagenwägen mit Puppenköpfen und der zierliche Popo einer verhüllten Puppe auf den Entstehungsprozess dieses Projektes in seiner Ambivalenz von Realität und Kunst, Fakten und Täuschung.

Diesen Prozess  dokumentieren zusätzlich die kleinformatigen Fotografien über drei Wände verteilt wie ein aufgeschlagenes Buch.

Ausstellung Andreas Mühes "Mischepoche" von www.schabel-kultur-blog.de

©Andreas Mühe

Einzelne Familienmitglieder verwandeln sich vom Porträt über die Puppe zur Skulptur als antike Maske oder Büste, teilweise ironisch über einem Putzeimer positioniert oder in Plastikfolie gehüllt. Eine renommierte Familiengeschichte wird so zum publikumswirksam inszenierten  Kulturevent.

Bis 11. August 2019 im Hamburger Bahnhof Berlin