Landshut – 49. Jahresausstellung des Kunstvereins

Kunstverein 49. Jahresausstellung präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Michaela Schabel

Kunst zwischen reiner Ästhetik und Provokation präsentiert die 49. Jahresausstellung in der Großen Rathausgalerie weist mit opulenter Vielfalt den Weg ins Jubiläumsjahr  „So viele Bewerbungen hatten wir noch nie“, erklärt Ursula Bolk-Jopp, Erste Vorsitzende des Landshuter Kunstvereins. 32 Künstler, in etwa die Hälfte wurde ausgewählt, dürfen ein Werk ihrer Wahl zeigen ohne irgendwelche Vorgaben. Entsprechend bunt ist die Ausstellung. Sie zeigt  unterschiedlichste Stilrichtungen vom plakativ provozierenden Hai  aus Fahrradreflektoren (Renato Rill) bis zu den subtilen, ungewöhnlich haptischen Tuschezeichnungen (Heiner-Matthias Priesnitz). Die Ausstellung dokumentiert das hohe Niveau vieler Landshuter Künstler. Allerdings kann sich  die Aura mancher Skulpturen durch die Fülle der Exponate nicht optimal entwickeln. Interessant ist wie Künstler ihre Kunsttechniken weiterentwickeln, Themen wechseln, die Welt sichtbar machen, Bilder Position beziehen und sich daraus ein Kaleidoskop unseres Daseins ergibt.

Die Natur gewinnt an Terrain

In den Landschaftsbildern spiegeln sich unterschiedlichste Positionen. In fröhlichen Sommerfarben strahlen „Seen“ (Ute Haas). Kinder schaukeln in „Hoch hinaus“ in den lichten Horizont (Nina Seidel-Herrmann).

©Michaela Schabel 

©Michaela Schabel

Filigran entwickelt sich aus kleinen Farbflächen auf großen Formaten eine zauberhafte  Herbstatmosphäre (Stefanie Reiter). Geheimnisvoll düster ist der „Wald“ (Alois Achatz), apokalyptisch dunkel der „Mais“ (Raimund Reiter).

Kritisches in allen Stilarten

„Was kommt denn noch alles?“ titelt Michael Lange den fragenden Blick seines Selbstbildnisses. Werden die „Luftballons“ weggemacht oder hingehängt (Walter Bollwein)? Ist das  „Herzlich Willkommen“  hinter vergittertem Tor nicht blanke Ironie (Peter Litvai)? Macht „Bildungszentrifuge“ nicht längst jegliche individuelle Entwicklung unmöglich (Valentin Goderbauer)?

©Michaela Schabel 

©Michaela Schabel

Gastkünstlerin Sibylle Kobus thematisiert in der Säulenhalle mit Hygienebinden und aufgespannten zerrissenen, rot befleckten Strumpfhosen sehr eindrücklich, wie Frauen, die Leben ermöglichen, indem sie gebären, vergewaltigt und missbraucht werden.

Und der Mensch an sich?

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Kafkaesk zur Seite gedrückt wird der Mensch bei Peter Engel, das krasse Gegenteil zu den aufrecht erhabenen, archaischen Stelen  Michaela  Geisslers und der türkis funkelnden „Traumgestalt“ Florian Geisslers. Gierig nähert sich Klaus Wiedmanns expressiv dürrer „Rabenmann“ mit erhobenen Händen. Verena Oberhollenzers „Dädalus“ wäre schließlich der absolute Absturz in die Katastrophe. Aber diese Geschichte kann sich aufgrund der ungünstigen Positionierung nicht wirklich entfalten. Hier hilft ein Blick in den Katalog.

 

In Memoriam  Aldo Canins

Ein Künstler verweilt nicht mehr auf dieser Erde, aber durch seine wunderbaren Bilder bleibt er präsent. Der Kunstverein  widmet dem im Mai dieses Jahres verstorbenen Künstler Aldo Canins eine Gedenkausstellung.

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In einem Kabinett sind die frühen Porträtzeichnungen zu sehen, in denen sich bereits seine schemenhaft verzaubernde Art der Darstellung abzeichnet, die er durch einzigartige Farbnuancen und  durch eine ungewöhnlich subtile Maltechnik intensivierte, wie seine  lichtdurchfluteten Landschaften und Häuserfronten im zweiten Kabinett zeigen.

Ein Jahreskalender für das Jubiläumsjahr

Im Hinblick auf das Jubliäumsjahr präsentiert der Kunstverein einen attraktiven  Jahreskalender mit Wocheneinteilung, der das Spektrum auf  alle Künstler weitet, die sich beworben haben.

Die Ausstellung ist bis 15. Dezember zu sehen.