Kochel am See  – Anselm Kiefers „Opus Magnum“ im Franz Marc Museum

"Anselm Kiefer Opus Magnum" im Franz Marc Museum präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Daphne“,Detail (2016)@Franz Marc Museum/collecto.art

Anselm Kiefer, 1945 geboren, wurde das Schweigen über Nationalsozialismus und Holocaust zum Lebensthema. In seinem Schaffen immer tiefgründig und querdenkend, die Komplexität der geschichtlichen Vergangenheit im Kopf,  bevorzugt er seinen Themen adäquat meist  große Dimensionen und düstere Stimmungen. Jetzt zeigt das Franz Marc Museum in Kochel am See „Anselm Kiefer Opus Magnum“, 23 bis zu drei Meter hohe Vitrinen zur jüngsten Vergangenheit und zu Mythen der Antike.

Die Exponate, auf den ersten Blick rätselhafte Installationen aus unterschiedlichsten Materialien, vertrockneten Blumen und Blättern, Amboß oder Setzkasten strahlen nicht zuletzt durch die mythischen Titel in den gläsernen Schreinen bedeutungsschwer, wirken gleichzeitig federleicht und beflügeln trotz ihrer fahlen verblichenen Erdigkeit. In dieser Spannung verdichten sich die literarischen, mythologischen und biblischen Topoi, die im Werk Anselm Kiefers immer wieder auftauchen, zu Mikrokosmen, vorausgesetzt man erkennt über die Titel die mythischen Zusammenhänge und die möglichen latenten Querverweise zur jüngsten deutschen Vergangenheit.

Von der schönen „Daphne“, die sich den Nachstellungen Apolls durch eine Verwandlung in einen Baum entzieht, bleiben nur ein paar Zweige mit verdorrten Blättern. Schon wird das meist erotisch ausgeleuchtete Motiv nicht nur zum Symbol jüngster deutscher Vergangenheit, sondern auch Symbol einer fragwürdigen Zukunft. „Athanor“, der Ofen des Alchimisten, wirkt uralt, nicht mehr funktionsfähig, die darüber schwebenden Schalen der Gerechtigkeit sind in Schieflage geraten. 

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„Athanor“ 2014@Franz Marc Museum/collecto.art

Die „Jakobsleiter“ in den Himmel ist geknickt. Die „Walküren“, mit Schlamm bedeckt, alles andere als heroisch, verweisen an das misslungene Hitlerattentat „Operation Walküre“ 1944. Selbst das „Sonnenschiff (für Ingeborg Bachmann)“ ist gesunken  und wird so zur Metapher für das ständige Werden und Vergehen. 

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„Sonnenschiff (für Ingeborg Bachmann)“,Detail (2015)@Franz Marc Museum/collecto.art

Diese Verknüpfung Anselm Kiefers von bildender Kunst und Literatur inspirierte wiederum Cathrin Klingsöhr-Leroy, die kuratierende Museumsleiterin. Sie ließ im Vorfeld der Ausstellung 15 zeitgenössische Autoren durch kurze assoziative Texte jeweils zu einem von Anselm Kiefers Werken Stellung nehmen, darunter Christoph Ransmayr und Alexander Kluge. Nora Bossong, Gert Heidenreich, Alexander Kluge, Gila Lustiger, Marion Poschmann dichten und lesen für Anselm Kiefer. Nicht nur Sibylle Lewitscharoff und andere preisgekrönte AutorenInnen erzählen Kiefers installative Narrative weiter, sondern jeder Besucher, der sich damit auseinandersetzt. 

Zur Ausstellung ist die Anselm Kiefer: „Opus Magnum“ erschienen, Hrsg. von  der Franz Marc Museumsgesellschaft durch Cathrin Klingsöhr-Leroy im Verlag Schirmer/Mosel, München 2020, 171 S., 49,80 Euro

Die Ausstellung ist im Franz Marc Museum in Kochel am See bis 21.Februar 2021 zu sehen,