Berlin – Ausstellung „Revolutions of Choice“ im Haus am Waldsee

"Revolutions of Choice" Ausstellung über die Architekten Leibinger Barkow präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Paper Tessallations, Materialstudie ©Michaela Schabel

Hunderte kommentierter Materialuntersuchungen und Architekturmodelle werden im Haus am Waldsee präsentiert und machen während des klar gegliederten Rundgangs  im Erdgeschoss die essentiellen Schwerpunkte von Frank Barkow (*1957) und Regine Leibinger (*1963) deutlich. Schon der Begriff „Ultrastrukurell“ weist darauf hin, dass die Struktur als Entwurfswerkzeug die architektonische Idee bestimmt. Bei den „Bundles“ werden im Entwurfsprozess spezifische Elemente miteinander zu komplexeren Strukturen verbunden.

„Frames“ bezieht sich auf Strukturelemente wie Traversen, Bögen und Balken, die durch serielle Wiederholung tragende Elemente sein können, aber nicht unbedingt sein müssen. Frames können dabei gleichzeitig sehr archaisch und sehr innovativ sein.

©Michaela Schabel

Bei Großbauten spielt der räumliche Rahmen immer eine große Rolle. „Topographical“ zeigt Entwürfe, die die geografischen Verhältnisse elegant integrieren, um Oberflächen weiter erscheinen zu lassen und Bauten in eine künstlerisch gestaltete Landschaft zu verwandeln.  

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©Michaela Schabel

Mit „Liminal Façade“ stehen Projekte im Fokus, bei denen die Hülle eines Gebäudes eine autonome Identität und  performative Reichweite bewirkt und markant die Schwelle von Innen und Außen markiert. 

Ausstellung-Haus am Waldsee

Das neue Estrell in Berlin ©Michaela Schabel

Doch bei allen Themenkreisen sind leider nur Modelle zu sehen ohne Dokumentationen vor Ort, nicht einmal die Realisierungen in Berlin und Potsdam. Die Reihung in schlichten Regalen wirkt letztendlich ermüdend und  kontraproduktiv, eher wie ein Depot als eine Ausstellung. Erst in der oberen Etage entfaltet sich in den einzelnen Räumen die Eleganz der Skulpturen. 

In enger Zusammenarbeit mit Regisseur Christoph Walz entwickelte Frank Barkow für die Wiener Inszenierung von Beethovens „Fidelio“ ein Bühnenbild mit einer raffinierten Doppelhelixtreppe, die sich dreidimensional in den Bühnenraum schraubt.

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©Michaela Schabel

Hier visualisiert ein Videoausschnitt der Opernaufführung die Wirkung vor Ort. Die Diskussion um den Plagiatvorwurf, der nicht nur in Wien für Furore sorgte, wird hingegen ignoriert.

Bei „Thicket“ bilden gebündelte filigrane Metallstäbe raumfüllend ein Labyrinth von Verdichtungen und Gassen, in denen visuelle Effekt wie Moiré,  Transluzenz, Transparenz und Opazität erlebbar werden.

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©Michaela Schabel

Schleifenfiguren werden zu einer dreidimensionalen Skulptur materialisiert, die als designtes Wohnmöbel in jedem Raum ein Blickfang sein können und in den Außenanlagen  noch einmal im „Summer House“ erscheinen. Im Skulpturenpark wird der extravagante Pavillon zum Höhepunkt der Ausstellung. Jedoch sind die Schleifenstrukturen als gedachte Sitzfunktionen wenig kommunikativ angeordnet und die offenen Dekors Richtung Himmel schützen den Verweilenden weder vor Sonne noch vor Regen.

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©Michaela Schabel

Damit wird in dieser Ausstellung einmal mehr deutlich, wie Architektur sich eitel mit Materialien und Formen beschäftigt, ohne an die Menschen zu denken, die darin und damit leben sollen. Was bedeuten Hunderte von Dekorideen, wenn ihre Funktionalität kein besseres Wohnen und Leben bedeutet.